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Das Wasenbollwerk / Die Hebelschanze
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Schönbeinstrasse / Klingelbergstrasse lageplan wasenbollwerk

Bus - Bernoullianum


Ein Bollwerk aus Erde

Das zugleich mit dem Kleinbasler Clarabollwerk entstandene Wasenbollwerk hatte im Laufe der Zeit viele Namen. Zusammen mit seinem Umfeld nannte man das Festungswerk es zum Beispiel schon Grundbollwerk, Hoher Wall, Petersschanze oder Hebelschanze. Während der frühen Religionskriege verstärkte das reformierte Basel 1530/31 seine mittelalterliche Stadtbefestigung.

Innerhalb der Grossbasler Stadtmauer, unweit des Spalentors, gab es ein Gartenhaus mit Weinpresse beim Wehrturm namens Luginsland. Die Stadt tauschte Häuschen und Presse vom Besitzer gegen den inneren Predigergarten ein. Der Tausch diente dazu Baugrund für ein Bollwerk zu erwerben, welches den exponierten Mauerabschnitt hinter dem Petersplatz verstärken sollte.

das wasenbollwerk auf einem stich um 1640

Das Wasenbollwerk um 1640, nach der Erhöhung 1588 und der Kappung des Turms Luginsland A und des Wasenbollwerkturms B (heutigen Strassennamen zur Orientierung eingetragen) | Stich von Matthäus Merian

Clarabollwerk wie auch Wasenbollwerk entstanden nach Plänen von Maurermeister Hans Mentzinger. Im Gegensatz zum Bollwerk bei der Clarakirche wurde das Wasenbollwerk nicht mit einer Ummantelung aus Mauerwerk erstellt, sondern als Schanze aus Erdaufschüttungen angelegt. Zum Bau zog man Leute heran, die von der damals verbreiteten Arbeitslosigkeit betroffen waren.

Das im Februar 1531 begonnene Bauprojekt wurde als Beschäftigungsprogramm genutzt, welches armen Leuten Arbeit und Einkommen geben sollte. Begleitet wurden die Bauarbeiten von Hauptmann Kaltschmidlin aus Strassbourg so wie einem Trupp Werkleute, der für teures Geld engagiert wurde, und darüber hinaus nach Projektende einen Bonus in Goldgulden ausbezahlt erhielt.

Das Wasenbollwerk wurde wie das Clarabollwerk hinter der mittelalterlichen Stadtmauer angelegt. Diese Lage schränkte seine Wirksamkeit ein. Die Aufgabe der Schanze war der Schutz der westlichen Flanke des Spalentors. Dass das Bollwerk nicht ideal war um dieser Augabe zu entsprechen, lässt über 50 Jahre später ein Ausbau ahnen. Zuvor musste die Stadtmauer saniert werden.

Ausbau und Ende des Bollwerks

Die Stadtmauer vor dem Wasenbollwerk musste um 1570 zwischen dem Turm Luginsland und dem nachträglich nach der Schanze benannten Wasenbollwerkturm von 1374 neu erstellt werden. Es ist unbekannt ob sie nur sanierungsbedüftig oder eingestürzt war. Möglich ist indes, dass sie dem Gewicht der hinter ihr aufgeschütteten Erdmassen des Bollwerks nicht länger gewachsen war.

Das Wasenbollwerk war bezüglich des Schussfeldes offenbar unzulänglich. Ein Mangel dessen Grund seine Lage hinter der Stadtmauer war. Erst 1588 ging man dieses Problem an. Der Strassburger Festungsbaummeister Daniel Specklin (1536-1589) wurde mit der Modernisierung der Basler Stadtbefestigung betraut. Er erarbeitete detaillierte Pläne zum Ausbau der Mauern und Schanzen.

Unglücklicherweise verstarb Specklin bald darauf, und seine Empfehlungen verliefen im Sande der Basler Sparsamkeit. Unter seinen wenigen Projekten die umgesetzt wurden, war der Ausbau des Wasenbollwerks. Der bis dahin weiter aufragende Turm Luginsland wurde ungefähr auf der Höhe der Stadtmauer gekappt, womit er nicht länger das Schussfeld der Schanze beeinträchtigte.

Mit dem Abrißschutt abgebrochener Häuser und dem Aushub des Teuchelweihers beim Schützenhaus wurde die Schanze erhöht. Das Bollwerk überragte nun die Stadtmauer vor sich so weit dass es seine Umgebung beherrschte. Stadtseitig führten zwei Rampen zur Geschützplattform. In den 1620er Jahren wurde auch der Wasenbollwerkturm gekappt und die Stadtmauer gänzlich hinterschüttet.

die gruenanlage hebelschanze heute (2018)

Der Zugang zur Grünanlage Hebelschanze neben dem Bernoullianum, die als letzter Rest des Bollwerks überlebte. Die wehrhaften Eckquader beim Treppenaufgang an der Schönbeinstrasse erinnern dezent an das einstige Befestigungsbauwerk.

Noch im 19. Jahrhundert überragte das mit Bäumen bepflanzte Bollwerk als lauschige Terrasse das Umfeld. Die alten Wehrbauten waren aber dem Wachstum der Stadt im Weg und mussten weichen. Für den Bau des Bernoullianums wurde ab 1869 das meiste vom Bollwerk abgetragen. Heute ist davon noch eine Grünanlage übrig. Bei Ausgrabungen 1974 kamen einige Mauerreste an den Tag.


Zusammenfassung

Bei einem Vorsprung der mittelalterlichen Stadtmauer hinter dem Petersplatz wurde 1531 das Wasenbollwerk errichtet. Wie das gleichzeitig erbaute Kleinbasler Clarabollwerk entstand es nach Plänen von Hans Mentzinger. Hinter der Mauer liegend wurde sein damit beschränkter Wirkungsbereich 1588 durch Aufschüttung verbessert. 1869-1877 wurde das Bollwerk weitgehend abgetragen.


Beitrag erstellt 26.06.18

Quellen:

Bernhard Harms, Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittelalter, Erste Abteilung, Band 3, H.Laupp'sche Buchhandlung, Tübingen, 1913, Seiten 405 Zeile 20, 406 Zeile 46 und 76, 407 Zeile 42 (Ausgaben Bau Bollwerke)

Guido Helmig / Christoph Philipp Matt, Beitrag "Inventar der Basler Stadtbefestigung - Planvorlage und Katalog, 1. Die landseitige Äussere Grossbasler Stadtmauer", publiziert in Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von Rolf d'Aujourd'hui, Basel, 1991, ISBN 3-905098-10-5, Seiten 83, 131, 132, 133, 147 und 148 (Bollwerk, Türme, Stadtmauer)

Christian Adolf Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, Teil 2, 134. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1956, Seite 44

Christian Adolf Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, Teil 1, 133. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1955, Seite 45 bis 46 so wie 50 bis 51

Fridolin Ryff, Chronik des Fridolin Ryff, in Basler Chroniken Band 1, herausgegeben von Wilhelm Vischer und Alfred Stern, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1872, Seite 117 (Bau von Bollwerken)

o.A. Fundbericht 1974, in Jahresbericht 1974 der Archäologischen Bodenforschung, publiziert in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 75. Band, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1975, Seite 251 (Funde Hebelstrasse / Klingelbergstrasse)

engel

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