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Sterner und Psitticher
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Der Basler Adel bewegte sich in der zweiten Hälfte des 13.Jh in unruhige Zeiten. Im Schatten grosser Konflikte zwischen Kaiser und Papst und den mächtigen deutschen Adelsgeschlechtern Welfen und Staufer erschütterten auch in Basel Auseinandersetzungen die Grundfesten des Bistums. Zum einen lag der Basler Bischof Heinrich von Neuenburg um 1270 im Streit mit Rudolf von Habsburg. Zum anderen war der Adel Basels in zwei sich bekämpfende Parteien zerfallen.

Die Streitigkeiten unter dem Adel gingen zum grossen Teil auf Veränderungen innerhalb dieser gesellschaftlichen Schicht zurück. Einerseits gab es in Basel jenen Adel der aus den Dienstleuten des Bischofs hervorgegangen war. Familien die dem Bischofsstuhl seit Generationen gedient hatten bekamen ab 1227 das Privileg Lehen zu empfangen und somit in den Ritterstand aufzusteigen. An der Spitze dieser Kreise von Alteingesessenen fand man die Geschlechter der Münch und der Schaler.


Rivalen vom Lande

Aus den Reihen das Landadels erwuchsen jedoch dem Adel in der Stadt Rivalen. adlige Geschlechter die auf dem Land ihren Sitz hatten drängten in die Stadt um einen begehrten Platz im Umfeld des Bischofs zu ergattern. Eine Position am bischöflichen Hof war attraktiv geworden. Die wichtigsten Vertreter dieses Adels vom Land waren die Herren von Eptingen. Der Bischof war wohl bestrebt auch die Loyalität dieser Adligen zu gewinnen und begann städtische Ämter an sie zu vergeben.


eptingerfahne

Replika der Reiterfahne des Thüring von Eptingen, Dorfherr von Pratteln im 14.Jh. Bereits im ausgehenden 13.Jh hatte ein Zweig der Eptinger die Burg Madlen ob Pratteln zu Lehen. Die Eptinger als Adlige vom Land sollten zu dem Führer der Sternern werden.

Bereits im Jahr 1262 tritt ein Götzmann von Eptingen als Vogt zu Basel in Erscheinung. Einem Matthias von Eptingen kann man 1274 gar als Bürgermeister begegnen, was allerdings erst in die Zeit nach der Wende von 1273 fällt, von der später noch die Rede sein wird. Somit traten zugezogene Adlige in direkte Konkurrenz zu den eingesessenen Geschlechtern, die um ihre gewachsene Position in der Stadt fürchteten. Aber auch in umgekehrte Richtung kam es zu Reibungen.

Den Landadel verärgerte das vermehrten Streben seiner städtischen Rivalen, sich Sitze auf dem Land zuzulegen und damit in sein ureigenes Territorium vorzudringen. Um 1270 setzen sich z.B. die Münch mit einer Burg ob dem Dorf Geckingen fest, welches danach "Münchenstein" genannt wurde. Hier wirkten sie auch im Interesse des Bischofs. Schliesslich gesellte sich noch der Umstand dazu, dass in den adligen Kreisen jener Jahre Feindschaften und Fehden wohlgehegte Traditionen waren.


Zwei Parteien entstehen

Gewalttätige Kämpfe zwischen Familien und Gruppierungen gehörten zum Lebensstil des Adels. Ein Ritter der nicht den Kampf suchte ist im weitersten Sinne vergleichbar mit einem modernen Sportler der nicht danach strebt sich mit Seinesgleichen im Wettkampf zu messen. Solche Auseinandersetzungen, die sogenannten Fehden, waren fester Bestandteil einer ganzen Weltanschauung. Man suchte teils geradezu den Streit mit anderen Geschlechtern, auch aus nichtigem Anlass.

Diese Konflikte wurden nicht nur unter Vertretern des Land- und des Stadtadels ausgetragen. Zuweilen bekämpfte man sich innerhalb dieser Parteien oder geriet sich mit noch auswärtigeren Geschlechtern in die Haare, dabei schreckte man nicht vor Blutvergiessen zurück. In jene Zeit der erhitzten Gemüter hinein fällt die Geburtsstunde zweier ritterlichen Parteien, die sich in Basel ab etwa 1265 als "Sterner" und "Psitticher" entwickelten.

Man darf sich unter diesen Parteien nicht straff organisierten Gruppen vorstellen. Das Verhalten war vielfach von aufgewühlten Emotionen oder dem Streben nach persönlichen Zielen geprägt. Bezeichnend dafür ist etwa das Verhalten der einflussreichen Schaler und Münch, die später ihre Prinzipien als Psitticher vergassen um sich auf die Seite der Habsburger zu stellen. Die Namen der beiden Parteien gingen auf die Symbole zurück die sie für sich gewählt hatten.


Die Symbole

Die Sterner führten einen weissen Stern auf rotem Grund, wobei der Grund für die Wahl dieses in der damaligen Heraldik seltenen Symbols unbekannt ist. Vielleicht hängt das Symbol mit der angeblichen Erscheinung eines wunderbaren Sterns im Jahr 1267 zusammen. Bemerkenswert ist am Rande erwähnt die Tatsache, dass der französische König 1352 den ritterlichen "Ordre de l'Etoile" gründete, als Gegenstück zum englischen "Order of the Garter". Auch hier kam der Stern zu Ehren.

fahnen sterner und psitticher

Die Fahnen der Sterner (links) und der Psitticher (rechts) nach einer Darstellung in der Basler Chronik des Christian Wurstisen von 1580, die also dreihundert Jahre nach dem Geschehen gemäss alten Beschreibungen entstand.

Das Symbol der Psitticher war ein grüner Papagei (psittacus) auf weissem Grund. Der exotische Vogel galt damals als ein speziell edles Tier. Es ist belegt dass man ihn als Preis für Turniersieger oder als prestigeträchtiges Geschenk in höfischen Kreisen nutzte. Zugleich stand er auch für die unbefleckte Empfängnis, womit er in eine direkte Beziehung zur Jungfrau Maria trat. Deren Kult wurde beim Basler Adel besonders gepflegt, war Maria doch z.B. die Patronin des Münsters.

Der Papagei der Psitticher darf folglich laut dem Historiker Werner Meyer als Mariensymbol betrachtet werden, welches zugleich ein Indiz für den stark religiösen Zug der Vereinigung der Psitticher sei. Der Geburtstag Mariae am 8.September war ferner ein beliebtes Datum für Turniere die in Basel auf dem Münsterplatz abgehalten wurden. Hier spielte auch die wichtige Ehrung der Toten ihre Rolle, denn das Münster und sein Umfeld war die Begräbnisstätte des Basler Adels.


Turniere und Trinkstuben

Das Turnier war für die Ritter beider Parteien eine willkommene Gelegenheit sich in den Waffen zu messen. Turnier und Fehde liefen ineinander über und waren prägende Elemente in der Geisteshaltung der Ritterschaft jener Tage, ob nun bei den Psittichern oder den Sternern. Die Kämpfe beschränkten sich daher nicht nur auf den Turnierplatz. Die grössten Heissporne beider Seiten hatten gewiss keine Skrupel sich mit gezückter Klinge in Basels Strassen öffentlich zu traktieren.

Unter den bischofstreuen Psitticher begegnete man um 1270 nebst den bereits erwähnten Münch und Schaler auch den Zu Rhein, Marschalk oder den Kämmerer. Zu ihnen stiessen später die Grafen von Neuenburg, die Hachberger, die Grafen von Pfirt und die Freiherren von Röteln. Den letzteren beiden und dem Bischof übergaben einzelne Psitticher ihre Besitztümer, um sie als Lehen wieder zu erhalten. Es war der fruchtlose Versuch ein stabiles Lehensnetz aufzubauen.

Eine wichtige Rolle bei den Psittichern spielte auch deren Trinkstube im Haus "zur Mücke". Hier traf man sich zu gesellschaftlichen Anlässen oder auch schlicht zum Saufen und Raufen. Unter den Sternern fanden sich neben den genannten Eptingern die Viztum, die Pfaff, die Reich, die Kraft, die Neuenstein, die von Ramstein, die Marcerel und die Frick. Ihnen schlossen sich ebenfalls später Vertreter des Hochadels an, so der Marktgraf von Baden und die Grafen von Habsburg.


haus zur meucke

Der Neubau des Hauses zur Mücke aus dem 16.Jh. Im Vorgängerbau befand sich die Trinkstube in der sich die Parteigänger des Bischofs, die Psitticher, zu diversen Anlässen trafen. Die Nähe der Stube zum Bischofshof war kein Zufall.

Dass auch die Sterner ihre Trinkstube hatten ist gewiss aber bislang unbelegt. Die erstmals um 1367 erwähnte Stube "zum Seufzen" könnte wie die Stube der Psitticher bereits längere Zeit vor ihrer ersten direkten Nennung bestanden haben, und mag daher mit Vorbehalt als Stube der Sterner in Betracht gezogen werden. Ihre grosse Bedeutung im folgenden 14.Jh ist gesichert, und sogar noch 1412 kam vor ihrer Tür Johann Werner Münch von Münchenstein bei einem Raufhandel ums Leben.


Die Vertreibung der Sterner

Dem Höhepunkt im Kampf zwischen Sternern und Psittichern ging 1268 der Ausbruch offener Feindseligkeiten zwischen dem Bischof von Basel und Graf Rudolf von Habsburg voraus. Der Zwist gärte bereits heftig zwischen den beiden Ritterparteien, und er mündete 1271 in die Vertreibung der Sterner aus der Stadt. Diese suchten sich mit Rudolf von Habsburg einen mächtigen Verbündeten um den Kampf gegen die Psitticher fortzusetzen. Der Konflikt erreichte eine neue Ebene.

Ein Kleinkrieg zwischen Bischof und Graf begann die Region heimzusuchen. Im Heer Rudolfs, welches gegen den Bischof ins Feld zog fochten auch die Sterner, darauf bedacht Rache für die Schmach der Vertreibung zu nehmen. Der ersehnte Augenblick kam im September 1273, als der Habsburger sich anschickte die Stadt zu belagern und auf dem Margarethenhügel ob Binningen sein Lager aufschlug. Unerwartet erreichte ihn die Nachricht dass man ihn zum König des Reiches krönen wollte.

Bischof Heinrich von Neuenburg musste den Kampf gegen Rudolf aufgeben, denn wenn dieser König des Deutschen Reiches wurde, war er ihm als Reichsbischof verpflichtet. Er konnte keinen Krieg gegen den gewählten König als seinen Herrn führen und unterwarf sich zähneknirschend. Am 13.Januar zog Rudolf von Habsburg im Triumph in Basel ein, die Sterner als Verbündete in seinem Gefolge. Die Macht hatte die Seiten gewechselt, die Psitticher gehörten zu den Verlierern.


Das Ende der Sterner und Psitticher

Bischof Heinrich von Neuenburg starb bald danach als gedemütigter Mann. Seine Nachfolge als Bischof von Basel trat Heinrich von Isny an, der seine Wahl dem neuen König verdankte und sich in der Folge als treuer Verbündeter erwies. Rudolf von Habsburg gelang es auch die Münch und die Schaler als Führer der Psitticher auf seine Seite zu ziehen und zu binden. Damit war das Ende eingeläutet. Immer leiser wurde nun der Zwist bis zum Ende des Jahrhunderts.

Sterner und Psitticher waren nie belegbar als ordentliche Gesellschaften mit eigenen Satzungen aufgetreten. Ihre Existenz manifestiert sich über das Auftreten ihrer Mitglieder. Es hat wohl im Mittelalter diverse Vereinigungen ähnlichen Charakters gegeben, die allerdings nicht das zweifelhafte Glück hatten in den Bannkreis der grossen politischen Konflikte ihrer Zeit zu geraten, und über die folglich auch weniger niedergeschrieben wurde.

Diese Unsterblichkeit blieb hier den beiden Ritterbünden Basels vorbehalten, die am Ende dennoch untergingen. Mit dem Scheitern der bischöflichen Politik und der allmählichen Beilegung der Konflikte unter Stadt- und Landadel verloren die Parteien ihre Bedeutung als Fehdevereinigungen. Ende des 13.Jh begann man damit die Ämter des Bürgermeisters und des Oberstzunftmeisters in wechselndem Turnus jedes Jahr je einem Vertreter der Sterner oder der Psitticher zu vergeben.

Die Einschränkung des privaten Fehdewesens tat ein übriges um beiden Parteien die Existenzbasis zu nehmen. Bald nach 1300 veschwanden sie dann von der Bildfläche Basels. Was bis weit ins 14.Jh blieb war der Ämterwechsel zwischen den Geschlechtern der einst verfeindeten Seiten, und die Zwiste unter einzelnen Familien, die sich früher in den gegnerischen Lagern befanden. Ihre manchmal blutigen Raufhändel waren ein fernes Echo der entschwundenen Sterner und Psitticher.




Querverweise:

>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Neuenburg
>> Das Haus zur Mücke



Literatur:

Werner Meyer, "Psitticher und Sterner - Ein Beitrag zur Geschichte des unstaatlichen Kriegertums", Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 67.Band, Jahrgang 1967, Seiten 5 bis 21

August Burckhardt, "Herkunft und Stellung von Adel und Patriziat zu Basel im XIII. bis XV. Jahrhundert" im Basler Jahrbuch 1909, 1908 Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Seiten 97 und 104 bis 105

Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, ISBN 3-85722-010-5, Seite 42 bis 45

Diverse Autoren, Nah dran - weit weg, die Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Band 2, 2001, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, ISBN 3-85673-264-0 (Bände 1 und 2), Seiten 30 bis 38

Ernst Zeugin, Die Flurnamen von Pratteln, Pratteler Heimatschriften Nr.1, 1960, Max Muff Buchdruckerei in Pratteln, Seiten 26 und 27

René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage 1988, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-856-16-034-5, Seiten 106 bis 108

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