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Bürgermeister Konrad von Bärenfels
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Konrad von Bärenfels war zur richtigen Zeit im richtigen Amt, und er hatte das Glück nahe Verwandtschaft an hilfreicher Stelle um sich zu haben. Basel wäre wohl noch härter vom grossen Erdbeben 1356 getroffen worden, wenn nicht dieser Bürgermeister mit Macht und Einfluss die Geschicke der Stadt zur Zeit der Katastrophe und danach geleitet hätte. Er entstammte einer adligen Familie deren Wurzeln nach Brombach im unteren Wiesental zurückreichten.

Die Ahnen der Bärenfels waren vermutlich die hochbergischen Vögte in ihrem Wasserschloss in Brombach. In der Nähe ihrer Burg Steineck bei Wehr hätten sie im oberen Wehrtal im Schwarzwald auf gerodetem Land um 1300 eine weitere Feste erbauen lassen, die dem Namen Bärenfels bekam. Daher rührt offenbar der Geschlechtsname der Familie des besagten Basler Bürgermeisters. Als Konrad etwa um 1305 zur Welt kam amtete in Kleinbasel sein Grossvater Johann I. von Bärenfels als Schultheiss.


Kleinbasels Schultheissen

Ein weiteres Indiz für die Herkunft der Bärenfels ist hierbei übrigens die Tatsache, dass Werner, Vogt von Brombach, um 1290 als ein Amtsvorgänger von Johann I. als Schultheiss von Kleinbasel belegt ist. Dieses wichtige Amt in der minderen Stadt scheint sich in jener Zeit fest in der Hand der Vögte aus dem Wiesental und den offenbar aus ihnen hervorgegangenen Bärenfels befunden zu haben. Konrads Grossvater Johann I. tritt erstmals im Jahr 1299 in Erscheinung.

Johanns Bedeutung offenbart sich 1309. In jenen Tagen herrschte Streit um die Nachfolge des auf der Reise nach Avignon verstorbenen Basler Bischofs Otto von Grandson. In dieser kritischen Zeit lagen die weltlichen Geschäfte des Bistums in den Händen Johanns von Bärenfels. Durch seine Hochzeit mit Margarita von Hertenberg gelangte er in den inneren Kreis von Basels städtischem Adel. Johann I. von Bärenfels verstarb vermutlich ungefähr um das Jahr 1314.

Zurück zu Bürgermeister Konrad von Bärenfels, der dieses Amt erstmals 1334 bekleidete. Abwechselnd mit Vertretern der ritterlichen Geschlechter Schaler, Reich und Münch, teilte er sich diese Würde bis er letztmals 1364 als Bürgermeister belegt ist. In diese drei Jahrzehnte fällt das Erdbeben vom 18.Oktober 1356. Zu jenem Zeitpunkt übte Bärenfels das Bürgermeisteramt aus, und seine nächsten Verwandten sassen idealerweise an weiteren wichtigen Positionen in Basel.


Brüder und Söhne des Bürgermeisters

Konrad war damals sicherlich das Oberhaupt der Sippe. Er hatte mit Werner I. einen Bruder der Edelknecht war, derweil mit Arnold ein weiterer Bruder in Basel als Geistlicher wirkte. Am wichtigsten dürfte aber Johann III. von Bärenfels für seinen brüderlichen Bürgermeister gewesen sein, hatte er doch als Ratsknecht die Polizeigewalt in der Stadt inne. Konrads ältester Sohn Werner II. war darüber hinaus in reinster Familientradition Schultheiss in Kleinbasel.

Werner II. hatte noch drei jüngere Brüder, von denen der Historiker Werner Meyer vermutet dass sie um 1356 noch unmündig waren. Von diesen drei Brüdern waren Adelberg und Arnold II. als jüngste Söhne Konrads von Bärenfels zum Zeitpunkt der Katastrophe noch kleine Kinder. Über ihre Mutter ist nichts überliefert, aber sie wird ohne Zweifel während des Bebens nach Kräften ihre Kinder behütet haben. Ihr Mann Konrad musste sich derweil um seine heimgesuchte Stadt kümmern.

Der Basler Bürgermeister hatte kaum die Zeit sich seiner verschreckten Familie zu widmen. An seiner Seite versuchte im Chaos gewiss sein Bruder Johann III. als Ratsknecht im Rahmen seiner Möglichkeiten Recht und Ordnung Geltung zu verschaffen. Auch Konrads ältester Sohn Werner II. hatte ganz sicher als Schultheiss vieles zu tun in Kleinbasel. Ob in den dramatischen Stunden das tragische Schicksal seines Onkels Werner I. zu ihm durchdrang ist ungewiss.


Werners Tragisches Ende

Edelkecht Werner I. von Bärenfels habe während des Bebens auf der Flucht vom Fischmarkt her dem Petersplatz zugestrebt. Er eilte vorbei an der Peterskirche und wollte der Überlieferung gemäss eben das Kirchtürlein von St.Peter in der dortigen Stadtmauer passieren, als sich ein Stück der Zinnenkrone löste und den Bruder des Bürgermeisters im Niederfallen erschlug. Als genügte dies noch nicht, zerstörte das Erdbeben auch den Stammsitz der Familie Bärenfels in Brombach.


kirchtuerlein

Das Kirchtürlein von St.Peter, eine kleine Pforte in der Stadtmauer am heutigen Petersgraben, welche einst für das Stift St.Peter eingerichtet wurde. Hier fand der Überlieferung gemäss Werner I. von Bärenfels den Tod am Lukastag 1356.

Vor Konrad von Bärenfels lagen die rauchenden Trümmer Basels, und sicherlich hatte auch sein unbekannter Stadtsitz gelitten. Als provisorisches Domizil dürfte sich allenfalls die verschont gebliebene Burg Bärenfels im Schwarzwald angeboten haben. Der umgekommene Bruder Werner musste standesgemäss bestattet werden und hinterliess eine schmerzliche Lücke. Doch um seinem Amt gerecht zu werden musste Konrad sein eigenes Leid überwinden.


Tod der Söhne auf dem Schlachtfeld

Der Historiker Werner Meyer stellte fest dass sich Basel relativ gut vom Beben erholte, obschon gewaltige Opfer und Leistungen erbracht werden mussten. Zwar waren die Spuren des Bebens noch lange zu sehen, aber Konrad von Bärenfels hat wohl nicht unwesentlich zum weiteren Weg Basels beigetragen. Der weitere Weg endete übrigens für drei seiner vier Söhne am 9.Juli 1386. Sie fanden in der Schlacht von Sempach den Tod für Herzog Leopold III. von Habsburg.




Querverweis:

>> Beitrag zum grossen Erdbeben 1356



Literatur:

Werner Meyer, Da verfiele Basel überall, 184. Neujahrsblatt der GGG 2006, Schwabe Verlag Basel, ISBN 3-7965-2196-7/ISSN 1423-4017, Seiten 114 bis 116

August Burckhardt, "Herkunft und Stellung von Adel und Patriziat zu Basel im XIII. bis XV. Jahrhundert" im Basler Jahrbuch 1909, 1908 Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Seite 103

Casimir Hermann Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 3, 1941, Birkhäuser Verlag, Seite 306

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