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Der Basler Maler Alfred Heinirch Pellegrini
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Am 10. Januar 1881 erblickte mit Alfred Heinrich Pellegrini einer der grossen malenden Söhne Basels das Licht der Welt. Die Ader zum gestalterischen mag er von seinem Vater Isidoro (1841-1887), der aus Stabio im Mendrisotto stammte, geerbt haben. Dieser war Bildhauer, hatte als Geselle an den Portalstatuen des Gottesackers Kannenfeld mitgemeisselt und betrieb ein Geschäft für Grabmäler. Er starb als Alfred sechs Jahre alt war.

portal gottesacker kannenfeld

Figuren am Portal des ehemaligen Gottesackers Kannenfeld. An ihnen hatte Alfred Heinrich Pellegrinis Vater Isidoro (1841-1887) als Geselle mitgearbeitet. In jungen Jahren hatte Isidoro in der Mailänder Bildhauerei von Lorenzo Vela gearbeitet, dem Bruder des Tessiner Bildhauers Vincenzo Vela.

Das Geschäft für Grabmäler übernahm später Pellegrinis älterer Bruder Isidoro der jüngere (1871-1954). Dieser war in Vaters Fusstapfen getreten und wirkte später unter anderem auch an der Renovierung des Spalentors mit. Nachdem Alfred die Realschule eilig absolviert hatte, arbeitete er im Geschäft seines Bruders. Zugleich besuchte er die Gewerbeschule, wo er ersten künstlerischen Unterricht beim bekannten Maler und Radierer Fritz Schider (1846-1907) genoss.

Der Rat Ferdinand Hodlers

Voller Tatendrang zog er 1899 hinaus in die Welt um in München auf der Akademie für Bildende Künste zu landen. Dort übte er sich unter Anleitung von Gabriel von Hackl (1843-1926) im Aktzeichnen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz 1901, widmete er sich dem von ihm so geschätzten Maderanertal, welches er ausgiebig durchwanderte. Dann zog es Alfred Heinrich Pellegrini nach Genf, wo er eine Stellung bei der Lithographischen Anstalt Atar fand.

Als Zeichner und Lithograf arbeitete er dort bis 1906. In jener Zeit entdeckte er seine Liebe zu Pinsel und Leinwand. 1904 ehelichte er in der Rhonestadt auch seine andere Liebe, Marie Kneubühler. 1905 holte er beim Concours Calame mit seinem Werk "Matinée de printemps" den ersten Preis. Im selben Jahr besuchte er Ferdinand Holder (1853-1918) in dessen Atelier, und befand dass die Visite wohl für den Besucher interessanter war als für den Besuchten.

Immerhin gab ihm Hodler den Rat auf den Weg, denselbigen nach Stuttgart zu beschreiten um sich dort weiterzubilden. Dem Ratschlag entsprechend liess sich Pellegrini von 1906 bis 1914 in der süddeutschen Stadt nieder, um sich dort als Grafiker mit dem Gestalten von Plakaten, Ex Libri und dem illustrieren von Büchern über Wasser zu halten. Er wurde Mitglied der 1892 von freiheitsliebenden Künstlern gegründeten Münchner Sezession.

Der Einfluss Hans Brühlmanns

An der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste nahm Pellegrini zwischen 1908 und 1912 Unterricht bei Adolf Hölzel (1853-1934), einem Vorreiter der Moderne der sich als Pionier auf das Terrain der Abstraktion wagte. Hölzels Nachfolger auf dessen Lehrstuhl wurde 1919 übrigens Paul Klee (1879-1940). Prägender Einfluss auf Pellegrini kam jedoch weniger vom Lehrstuhl als von der Schulbank, denn es war ein Mitschüler der zu seinem eigentlichen Vorbild wurde.

Der Thurgauer Hans Brühlmann (1878-1911) verstand es, mit seinen Figurenkompositionen nachhaltigen Eindruck auf Pellegrini und dessen Schaffen zu machen. Vielleicht war es auch das tragische Schicksal Brühlmanns, der schwer krank in Stuttgart den Freitod wählte, welches dazu beitrug ihn durch seinen Mitschüler und dessen Werk geistig am Leben zu erhalten. Von Brühlmanns Vorbild könnte Pellegrinis Hang zum monumentalen herrühren.

Ein Hang der Alfred Heinrich Pellegrini wohl zwingend irgendwann zu den Wandgemälden führte, von denen er in Basel mehrere hinterliess. Durch den Architekten Theodor Fischer erhielt er erste entsprechende Aufträge. 1909 entstand unter Pellegrinis Hand ein Wandbild in der Kirche von Kirchheim/Teck. Erwähnt sei auch ein längst verschwundenes Nischengemälde von 1913 im Kunstgebäude Stuttgart. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er in München.

Rückkehr nach Basel

Anfeindungen trieben ihn aus Stuttgart in die bayrische Metropole. Ein Angebot, als Professor an der Volkwangschule in Essen zu wirken hatte er 1913 ausgeschlagen. Ab 1914 wirkte er als Mitglied der Neuen Münchner Sezession. Ins Jahr 1917 fiel dann seine Rückkehr in die Basler Heimat. Hier wurde er von seinem Freund Dr.Edwin Strub (1881-1971, späterer Mitbegründer des Basler Kunstkredits) gefördert. Bald hatte Pellegrini seine Premiere.

fresko st.jakobskirche

Nach Basel zurückgekehrt, schuf Pellegrini 1917 ein zweiteiliges Wandbild an der St.Jakobskirche. Dargestellt wurden zwei Episoden der Schlacht von St.Jakob an der Birs 1444: Der Tod des Burckhardt Münch von Landskron durch einen Steinwurf, und der Untergang der Eidgenossen beim Kirchhof von St.Jakob.

Im Jahr 1917 schuf Alfred Heinrich Pellegrini mit den Schlachtfresken am St.Jakobskirchlein seine ersten Wandgemälde in Basel. Seine Komposition; die Konzentration auf das Essentielle waren vielen Basler Augen ungewohnt und schienen vorerst nicht wenigen Schöngeistern verwerflich. Sein Fassadenbild an der 1906/08 erbauten Basler Börse an der Marktgasse entstand 1922/23. Es war am 1939 abgebrochenen Flügel des Gebäudes zu sehen.

Es sei dieses eben vollendete Werk gewesen, welches ein kritischer Geist in einer Anekdote als "moderne Schmiererei" geisselte. Skandalös sei es in höchstem Masse, dafür auch noch gute Steuergelder zu verschwenden. Neben dem Kritiker sei unerkannt Pellegrini gestanden, und habe seine Brieftasche gezückt um dem Kunstkenner 10 Rappen in die Hand zu drücken, mit dem Hinweis dass er als der Maler ihm hiermit seinen Steueranteil am Gemälde zurückgebe.

Frühe Arbeiten in Basel

Die Entstehung des Gemäldes an der Börse fiel in die Frühzeit der goldenen Tage der dekorativen Wandmalerei. Pellegrini darf hier als einer der herausragendsten Basler Künstler dieses Fachs jener Epoche gelten; Hans Friedrich Secker (1888-1960) bezeichnete ihn 1934 gar als "grössten lebenden Wandmaler". Es spricht für sein Schaffen, dass er 1925 in die Kommission des Basler Kunstmuseums gewählt wurde, wo er jahrzehntelang wirkte.

Im Jahr seiner Wahl in die Kommission begann Pellegrini mit der Arbeit an zwei Fresken im Saal des Basler Strafgerichts. Sein Werk "Tröster und Sünder" verurteilt nicht sondern fordert auf zum Blick ins eigene Innere. Der nur mit einem Umhang bekleidete Tröster streckt die Hand aus zum Sünder, der mit bedecktem Gesicht auf einem Baumstamm sitzt. Der unglückliche Sünder wird zum Spiegelbild des Schuldlosen, der seinerseits Hilfe bietet.

Das Schaffen Pellegrinis war geprägt von Traditionen des 19.Jh. Obschon er nicht zum "Establishment" der Basler Künstler jener Tage zählte, rückten ihn seine Erfolge ins Visier der Gruppe "Rot-Blau". Diese war in der Neujahrsnacht 1924/25 von Albert Müller (1897-1926), Hermann Scherer (1893-1927) und Paul Camenisch (1893-1970) aus der Taufe gehoben worden. Ein Anliegen der Gruppe war es, den Arbeiten junger Künstler in Basel mehr Achtung zu verschaffen.

Feindbild der jungen Künstler

Alfred Heinrich Pellegrini, nunmehr auch als "Pelle" bekannt in Basel, war bereits etabliert. In seinem Freundeskreis fand sich wie erwähnt Erwin Strub, ein Gründervater des Basler Kunstkredits. Eben jener Kunstkredit habe nach Ansicht der Gruppe Rot-Blau das expressionistische Werk einer neuen Generation von Künstlern nie richtig gewürdigt. Pellegrini, im Dunstkreis der Kritisierten stehend, zählte plötzlich auch zu jenen.

Man betrachtete Pellegrini im Kreis der Gruppe Rot-Blau zuweilen als fleischgewordenes Feindbild, dessen Schaffen die Patina des Konservativen durchzog, und der sich stets des Segens von oben sicher sein durfte. Jenseits der Anfeindungen beschritt Pellegrini seinen Weg, der ihm allgemein oft Seelenleid bereitete; denn als echter Künstler war er nicht immer von dieser Welt. Und oft war er sich in seiner Welt zu sehr Nabel.

Dem grossen Künstler sei seine Ich-Bezogenheit zugestanden, gehörte sie doch zum Nährboden des fruchtbaren Schaffens. Wo allerdings Leidenschaften hell lodern, werden auch Schatten geworfen. So war etwa "Pelles" Seele verletzlich, wenn sein Schöpfen in Frage gestellt wurde. Dabei war die Malererei durchaus nicht Pellegrinis ganzer Lebensinhalt. Sein Herz schlug auch passioniert für die Jagd, oder für Hockey und Fussball.

apoll und die musen

Das 1940/41 entstandene Wandbild "Apoll und die Musen" am Stadtcasino. Wegen seiner freizügigen Darstellungen wurde das Bild kurz nach der Einweihung von Unbekannten mit Farbe beschmiert. In Zuge des 2007 gescheiterten Casinoneubaus wäre es beinahe vom Barfüsserplatz verschwunden.

Mit Alfred Heinrich Pellegrini verlor Basel am 5. August 1958 einen seiner grossen Maler. Noch immer ist er der älteren Generation bekannt. Er, dem man einst mit einem Baslerhut auf dem wohlgesprossenen Haarbusch begegnen konnte. Oder wie man ihn am Stadtcasino malen sah, auf einem Brettergerüst bei dessen Anblick jeder Inspektor der SUVA schreiend davongerannt wäre. Pelle ist gegangen, doch er hat in Basel seine Spuren hinterlassen.

Apoll und die Musen wurden gerettet

Wie bereits erwähnt verschwand sein Wandbild an der Börse beim Abbruch des Seitenflügels 1939. Das 1941 entstandene Wandgemälde "Apoll und die Musen" wäre beinahe auch aus dem Stadtbild gerissen worden. Kurz nachdem das 16 mal 7 Meter grosse Fresko an Stadtcasino vollendet war, wurde es von Unbekannten mit Farbbeuteln beworfen; offenbar hatten gewisse prüde Kreise in Basel ihre liebe Mühe mit soviel nackter Haut.

Im Zuge des nunmehr gescheiterten Casinoneubaus war vorgesehen, das Bild im Rahmen der Möglichkeiten abzulösen damit "die erhaltbaren Teile an einem geeigneten Ort platziert werden" - Es war damit zu rechnen dass Pellegrinis Werk als verstümmeltes Fragment an einen Ort verpflanzt würde, der weder mit Apoll noch mit Musen etwas zu tun hatte. Doch "Pelle" hat posthum mit der Ablehnung des Casinoneubaus seinen Platz behauptet.

Das "Bierhallenfresko" - vom Abriss bedroht

An anderer Stelle ist Pellegrinis Werk aktuell in Gefahr. An der einstigen Alten Bayrischen Bierhalle hat er sich sowohl an der Fassade Steinenberg 23 (1934) wie auch an der Steinenvorstadt 1a verewigt (1935/44). Obwohl die Bierhalle längst verschwunden ist, sind die Malereien inklusive Jägermeister im Giebel des Gebäudeflügels an der Steinenvorstadt erhalten geblieben. Das Gebäude ist aber nun vom Abriss bedroht. Fritz Gysin schrieb 1934 über das Fresko am Steinenberg:

"Abseits von offizieller Kunstpflege steht die schöne Bereicherung unseres Stadtbildes durch ein Fassadengemälde grossen Stils, das im Auftrag einer alteingebürgerten Gaststätte am Steinenberg A.H. Pellegrini geschaffen hat. Über die monumentale Form der Börsenfresken hinausgehend findet er für den Schmuck der regelmässigen, von 9 in keineswegs genialer Aufreihung geordneten Fenstern durchbrochenen Wandfläche, einen ganz neuen Gedanken.

Nichts wird beschönigt oder vorgezaubert; die Wandfläche durch ein sattes Blau mit aller Deutlichkeit zur Evidenz gebracht. Dann aber, schwingt sich zwischen den Fenstern in freiem Zug, unaufhaltsam nach oben führend, ein Reigen von grossen Gestalten, die im nie ermüdenden Reichtum ihrer Bewegungsmotive zusammen ein Lied der Lebensfreude singen: ein Feuerwerk blendender Einfälle, gebändigt und der Fläche dienstbar gemacht durch die Disziplin des Meisters."


wandbilder bayrische bierhalle

Das um 1934 entstandene Wandgemälde (Steinenberg 23) an der ehemaligen Bayrischen Bierhalle. Akrobatik an der Fassade am Steinenberg, Szenen aus Fischerei und Jagd am Bierhallenflügel Steinenvorstadt 1a (1935/44). Das Gebäude soll abgerissen werden, die Fassade an der Steinenvorstadt ist akut bedroht.

Die Hinterlassenschaft von Alfred Heinrich Pellegrini ist nebst dem Wandbild von 1917 an der St.Jakobskirche auch noch am Fischmarkt im öffentlichen Raum präsent, nahe dem Ort wo bis 1939 seine Fresken an der alten Basler Börse zu sehen waren. Für die Öffentliche Krankenkasse entstand am 1938/39 errichteten Spiegelhofkomplex an der Front zum Kellergässlein hin die Darstellung der aufsteigenden Genesenden, die dort wohl vorerst auch bleiben wird.



Beitrag erstellt 31.10.07 / überarbeitet 05.07.09

Quellen:

Max Alioth, "Das künstlerische Leben in Basel von 1. November 1916 bis 31. Oktober 1917" (Architektur), publiziert im Basler Stadtbuch 1918, herausgegeben von August Huber und Ernst Jenny, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1917, Seite 322

Albert Baur, "Das künstlerische Leben in Basel vom 1. Oktober 1941 bis 30. September 1942" (bildende Kunst), publiziert im Basler Stadtbuch 1943, herausgegeben von Ernst Jenny und Gustav Steiner, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1942, Seite 204

Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seiten 51, 73, 81, und 216 bis 218

Fritz Gysin, "Das künstlerische Leben in Basel vom 1. Oktober 1933 bis 30. September 1934" (Malerei und Plastik), publiziert im Basler Stadtbuch 1935, herausgegeben von August Huber und Ernst Jenny, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1934, Seite 266

Fritz Grieder, Basler Chronik vom 1.September 1957 bis 31.August 1958, publiziert im Basler Jahrbuch 1959, herausgegeben von Gustav Steiner und Andreas Staehelin, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1958, Seite 230

Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Basel, 5. Auflage, 1974, Seite 618

Alexander Zschokke, Alfred Heinrich Pellegrini 1881-1958, Nachruf, publiziert im Basler Stadtbuch 1960, herausgegeben von Gustav Steiner und Andreas Staehelin, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1959, Seiten 91 bis 96

Peter Zschokke, 50 Jahre Basler Kunstkredit, Schwabe & Co, Basel, 1969, Seiten 59 und 168

o.A., "Alfred Heinrich Pellegrini, 1881-1958", publiziert In Zusammenarbeit mit Daniel Blaise Thorens Fine Art Gallery unter http://www.artegiani.com/pellegrini/pellegr1.htm temporär publiziert auf der Website von Arte Giani - Zeitgenössische Kunst

o.A., "Alfred Heinrich Pellegrini", Kurzbiographie publiziert im Internet unter http://www.g26.ch/art_pellegrini.html auf der Website von g26.ch - Plattform für Kunst Kultur und Gesellschaft.

o.A., "Alfred Heinrich Pellegrini", Auszug aus "Werke des 20. Jahrhunderts", publiziert im Internet unter http://www.g26.ch/art_pellegrini.html auf der Website von g26.ch - Plattform für Kunst Kultur und Gesellschaft.

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