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Die Allerheiligenkapelle zu St.Theodor
© by altbasel.ch

Wettsteinstrasse/Theodorskirchplatzlageplan

Tram 2, 15 - Wettsteinplatz / Bus 31, 34 - Wettsteinplatz

Zu Beginn ein Beinhaus

Direkt neben der Theodorskirche, nahe des heutigen Wettsteinbrunnens, stand einst eine Kapelle. Dort erhob sich zunächst das Beinhaus des Kirchhofes von St.Theodor und ist als solches zwischen 1476 und 1493 belegt. Das Jahrzeitenbuch der Kirchgemeinde berichtet, dass alle Jahre zu St.Mauritius, am 22.September, die Bürgerschaft sich in einer Prozession zu diesem Beinhaus begab. Dann entstand die Theodorskapelle anstelle des Beinhauses.

Die Weihung der beiden Altäre dieser neuen Kapelle erfolgte am 6.Juni 1514 in Anwesenheit zahlreicher geistlicher und weltlicher Würdenträger. Stiftern und Besuchern wurde dabei ein Ablass von 40 Tagen gewährt. Die Weihung war gewidmet den Heiligen Mauritius, Fridolin, Germanus, Viacrius, Rochus, Onufrius, Oswald, Apollonia, Dorothea, Apollinarius, Vitus, Modestus, Konrad, Erasmus, Agatha und Agnes - eine recht umfangreiche Schar.


Eine Kapelle mit zwei Schiffen

Die Kapelle war eine architektonische Besonderheit ihrer Tage. Die Aussenmasse des kleinen Gotteshauses betrugen 7.2 mal 14 Meter. Es stiess mit seiner südwestlichen Wand an die Stadtmauer an. Das Herausragende war die Tatsache, dass die Kapelle über zwei Schiffe verfügte, was sonst allgemein kaum bei Gotteshäusern in der Schweiz zu beobachten war. Da es neben den beiden Türen nur drei Fenster gab, war es finster im Inneren.

Eine entsprechend düstere Stimmung bestätigt ein Aquarell von J.J.Schneider, welches einen Blick in die Kapelle um 1881 zeigt. Nach der Reformation diente das Gotteshaus als Totenkapelle wo bis 1836 die Glieder betuchter Kleinbasler Familien ihre letzte Ruhestätte fanden. Vom Missbrauch der Begräbniskapelle zu weltlichen Zwecken berichtet man im 1656, als zwischen den Gräbern in der Kapelle ein Sigrist eine Nagelschmiede betrieb.

kapelle 1615

Die Allerheiligenkapelle auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum.

1 - Allerheiligenkapelle, hier mit Giebel anstatt einem Walm an der Mauer
2 - Theodorskirche
3 - innerer Stadtmauerzug an der heutigen Wettsteinstrasse
4 - angrenzender Stall der Kartause

Sigriste scheinen in früheren Tagen allgemein eine besondere Auffassung gegenüber Begräbnisstätten gehabt zu haben, denn um 1800 habe einer auf einem der beiden Friedhöfe zu St.Theodor Gemüse über den Gräbern angepflanzt. Im Jahr 1836 wurde der umliegende Friedhof eingeebnet, wobei das Basler Baukollegium die Theodorskapelle als durchaus beachtenswert taxierte. Daher wurde das äussere der Kapelle renoviert, aber leider nur das äussere


Halbherzige Renovation 1836

Während aussen gepflastert wurde, üerliess man das einzigartige innere des Bauwerks weiterhin seinem Schicksal. Offensichtlich war man hauptsächlich um den hübschen Gesamteindruck von aussen besorgt. Im Zuge der Arbeiten auf dem Friedhof wurden viele der alten Grabsteine an der südlichen Mauer der Theodorskirche aber auch an der linken Wand der Kapelle angebracht. Der Innenraum der Kapelle wurde schliesslich einer neuen Nutzung zugeführt.

Der Spendenkommission der drei Ehrengesellschaften Kleinbasels wurde der Raum 1858 als Lagerplatz für maximal 7000 Reisigwellen für die Bedürftigen überlassen. Mit dem Bau der Wettsteinbrücke 1878/79 nahte das Ende des nunmehr als Allerheiligenkapelle bekannten Gotteshauses. Im Zuge des Brückenbaus wurde der Stadtmauerabschnitt vom Rheinufer bis hin zum heutigen Wettsteinplatz abgebrochen, derweil die an die Mauer anstossende Kapelle stehenliess.

Die Kapelle stand nun exponiert am Kleinbasler Ende der Wettsteinbrücke. Kunsthistoriker und Altertumsforscher setzten sich für den Erhalt der architektonisch einzigartigen Kapelle ein. Nach einer Renovation, die vom Baudepartement auf 16'000 Franken geschätzt wurde, sollte die Kapelle mit ihren 99 Sitzplätzen für Gottesdienste an Wochenenden, Abdankungen und Kinderlehren dienen. Ein Initiativkomitee hatte bereits 5200 Franken gesammelt.

standort heute

Sicht von der heutigen Wettsteinstrasse. Mit roten schematischen Flächen ist der einstige Standort der Kapelle angedeutet während der innere Stadtmauerzug in Hellbraun gehalten ist. Das Dach ist hier nach alten Fotos und Illustrationen auf der Seite der Stadtmauer abgewalmt dargestellt.
Verachtung historischer Bausubstanz

Leider war man in der Bevölkerung für die Bewahrung von dergleichen Baudenkmälern nicht sonderlich sensibilisiert. Man forderte den Abbruch der Kapelle. Eine unbekannte Hand pinselte dazu ein Gedicht auf die Mauer der Kapelle, welches die mit Fortschrittsglauben gepaarte Verachtung für historische Bausubstanz brutal deutlich ausdrückt:

"Wie lang soll ich mein Leben hier noch fristen,
ruinenhaft dem Fortschritt frech zum Hohn.
Fast wünscht ich mich ins Land der Nihilisten,
um zu verduften per Dynamitpatron.
Gotthard, Stabio, alles kommt zu Ziel und Zweck,
und nur ich allein bleib hier stehen im D..."


In der Tat wurde dann in einer Maueröffnung eine kleine Dynamitladung gezündet, die aber wenig Schaden anrichtete. Im Frühjahr 1881 verfügte der Grosse Rat den Abriss der Allerheiligenkapelle. Ein letzter Rettungsversuch war der Vorschlag, die Kapelle abbauen zu lassen, um sie auf dem Gottesacker Kannenfeld neu aufzubauen. Den Amtsstellen war dies aber zu Kostspielig. So verschwand ein Kleinod des Kirchenbaus unwiderruflich aus Kleinbasel.




Querverweise:

>> Die St.Theodorskirche

>> Virtueller Rundgang St.Theodor

Surftipps zur Theodorskirche:

> Website der reformierten Kirche St.Theodor



Quellen:

primär genutzte

François Maurer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 5, 1966, Birkhäuser Verlag, Seiten 410 bis 416

E.A.Stückelberg, Basler Kirchen, 1.Bändchen, 1917, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Seiten 22 bis 23

E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seite 137 bis 138

Eugen A.Meier, Basel Einst und Jetzt, 3.Auflage 1995, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 3-85815-266-3, Seiten 292 bis 293


sekundär genutzte

C.A.Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, 134. Neujahrsblatt GGG 1956, Seite 65

Rudolf Kaufmann, Basel - das alte Stadtbild, 1936, Birkhäuser Verlag, Beitrag 25 und 26

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