guten tag

zurueck

copyright by altbasel.ch


fragen zum alten basel


Die Geschichte des Petersplatzes


Herr B. / 15.September 2004:

Könnten sie mir Quellen angeben, wo ich mehr über die Geschichte des Petersplatz erfahren kann.


Antwort von altbasel.ch:

Erstmals wurde der Petersplatz im Jahr 1233 als hortus St.Petri (Garten von St.Peter) bei der Gründung des Stifts St.Peter als Teil von dessen Ausstattung erwähnt. Zum Ende des 13.Jh erscheint auch die Bezeichnung "Platz" als Kurzform für Petersplatz. Geläufig sind ferner die Bezeichnungen "Platz uff S.Petersberg" oder "usswendig S.Peterskilchhof (ausserhalb des Kirchhofs St.Peter).

Im Süden grenzte der Garten von St.Peter an den 1264 erstmals erwähnten Friedhof der damaligen jüdischen Gemeinde. Die frühste Bepflanzung des Petersplatzes mit Bäumen ist für das Jahr 1277 belegt. Diese Bestände wurden im 15.Jh durch eine Neubepflanzung mit Linden, Eichen und Tannen ersetzt. Vermutlich im späten 13.Jh wurde an der Westseite eine Mauer als Platzbegrenzung gebaut.

Da die alte Stadtmauer des 11./13.Jh entlang des Petersgrabens verlief, lag der Platz zu Beginn noch ausserhalb der Stadt und trennte die Spalenvorstadt und die "Neue Vorstadt" (zwischen den Vorstädten Spalen und St.Johann gelegen). Im 14.Jh wurde der Petersplatz eine öffentliche Anlage. 1339 wird erstmals ein Werkhof im Garten zu St.Peter erwähnt.

Der Werkhof kann als Vorgänger des späteren Korn-, Werk- und Zeughauses betrachtet werden. Ab 1414 lagerte die Stadt dort Kriegsgerät ein. 1438 wurde der Hof ersetzt duch einen Gebäudekomplex der auch auf dem Areal der 1348/49 verwüsteten jüdischen Friedhofs errichtet wurde. Seither erhob sich an der Südseite des Platzes das Zeughaus, welches nach einem Brand 1775 neu errichtet wurde.

Der Petersplatz (29) mit Zeughaus (22) nach Merian im 17.Jh

petersplatz

Im Jahr 1936 wurde das alte Zeughaus, das über Jahrhunderte das Bild des Platzes mitgeprägt hatte, abgebrochen. An seiner Stelle wurde 1937-39 das neue Kollegiengebäude der Universität durch den Architekten Roland Rohn errichtet. Am Petersplatz ist auch für 1441/42 erstmals ein Schützenhaus der Armbrustschützen erwähnt. Diese hatten ihren Schiesstand an der Westseite des Platzes.

Dort erstreckte sich seit dem späten 14.Jh die äussere Stadtmauer entlang des heutigen Spalengrabens bis zur Bernoullistrasse, wo vermutlich die Zielscheiben standen. Das Haus erfuhr später Um- und Ausbauten und ist heute als das Stachelschützenhaus erhalten. Später kam ein kleinerer Schiesstand für Knaben auf der anderen Seite des Platzes am Petersgraben dazu.

Im 15./16.Jh wurde der Petersplatz nicht nur von den Schützen genutzt wurde, es gab hier auch zwei Plätze für Ringkämpfe. Ferner übte man sich im Bogenschiessen, Steinstossen, Wettlauf oder im Ballspiel. 1581 betonte die Obrigkeit dass auf dem "Lustplatz" von St.Peter weniger Sport getreiben werden sollte, da er nicht mehr wie ein Ort zum Spaziergang aussähe sondern eher wie eine Laufbahn.

Als der Rat 1521 mit einer Verfassungsänderung das Bischöfliche Mitspracherecht zur Wahl der Behörden Basels aufhob, wurde zugleich festgelegt dass neu gewählte Ratsherren nun im Schützenhaus auf dem Petersplatz ihren Eid ablegen sollten. Anders als Rathaus oder Münsterplatz lag das Haus nämlich nicht innerhalb der inneren Stadtmauer, wo teilweise nach wie vor alte bischöfliche Rechte Geltung hatten.

Im Jahr 1778, nach dem Bau des neuen Zeughauses, wurde der zuvor unregelmässig gestaltete Platz symmetrisch neu angelegt. Alte Bäume wurden gefällt, damit sie das neue Erscheinungsbild nicht störten. Damit war der Grundstein für das heutige Gesicht des Petersplatzes gelegt. Gestalter des neuen Platzes war der Buchdrucker und Artillerieoffizier Wilhelm Haas.


Literatur:

Guido Helmig und Hans Ritzmann "Phasen der Entwicklung des Abschnittes der Äusseren Stadtbefestigung zwischen Spalenvorstadt und Rhein", Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung BS, Seiten 159 bis 160

E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seiten 18 bis 21

Paul Koelner, Basler Friedhöfe, 1927, Verlag der National-Zeitung, Seiten 11 bis 12

André Salvisberg, Die Basler Strassennamen, 1999, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-85616-104-X, Seite 320

Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage 1995, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 33-85815-266-3, Seiten 220 bis 221

C.H.Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 1, 1932/71, Birkhäuser Verlag, Seite 310


le_stab

zurück