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Weisses und Blaues Haus am Rheinsprung


Herr K. / 17.September 2005:

Ich ha e froog an Sie, es git doch das eine Huus in dr Nöchi vom Münster wo au an dr gliche Stroos wie d'Kondomeria isch. Es isch e blau-wyss Gebäude! Könne sie mir meeh Informatione über das Huus gäh, ich ha e Vortrag über Barock und do das Huus au barock isch wärs guet wenn ich meeh Informatione über das Huus Chönnt ha..?? Ich ha nüt gfunde im Internet drum han ich dänkt Sie könnte mir witerhälfe..?!!

Übersetzung ins Hochdeutsche:

Ich habe eine Frage an Sie. Es gibt doch das eine Haus in der Nähe des Münsters, wo auch an derselben Strasse die Kondomeria ist. Es ist ein blau-weisses Gebäude! Könnten Sie mir Informationen über das Haus geben. Ich halte einen Vortrag über Barock und das das Haus auch barock ist, wenn ich Informationen über das Haus haben könnte. Ich habe nichts gefunden im Internet, darum habe ich gedacht dass Sie mir weiterhelfen könnten. Vielen Dank.



Antwort von altbasel.ch:

Sie meinen sicher das Weisse und das Blaue Haus am Rheinsprung 18 und 16, etwas weniger bekannt als Wendelsdörfer Hof und Reichensteiner Hof. Es benötigte drei Generationen der Familie Sarasin, welche Liegenschaften zwischen der Martinsgasse und dem Rheinsprung zusammenkauften, um den Baugrund für den imposanten Barockbau zu bereiten. Erst die Brüder Lukas und Jakob Sarasin, ihres Zeichens Seidenbandfabrikanten, konnten 1762 den Grundstein legen.

Im Auftrag der Brüder Sarasin baute Architekt Samuel Werenfels, der übrigens auch das Stadhaus an der Stadthausgasse 13 schuf, von 1762-1771 das in Basel einmalige Palais. Die Fassade zum Rhein hin war mit ihrer Aufteilung in Blau und Weiss auf die Zahl drei ausgerichtet. Jedes des beiden Häuser hat zwei mal drei Achsen mit je drei Fenstern (die zehnte Achse des Blauen Hauses am Archivgässlein ist ein unplanmässiger Anbau auf Wunsch des Bauherrn).

Zur Martinsgasse hin zeigte sich der Bau als zwei Gebäude mit drei Flügeln und je einem beeindruckend tiefen Ehrenhof, die zu einem langen Komplex zusammengefügt wurden. Das Blaue Haus gehörte Jakob, dem älteren der Brüder Sarasin. Eine für Passanten am Rheinsprung gut sichtbare Besonderheit sind die bleiernen Masken über den Fenstern im Erdgeschoss - sie stellen die vier Jahreszeiten dar. Die Bezeichnung "Weisses und Blaues Haus" erscheint übrigens erst um 1823.


Ergänzender Hinweis von Ulrich Stroux, 27.Juli 2009:

Im letzten Absatz schreiben Sie (oder ein anderer Autor?): "Das Blaue Haus gehörte Jakob, dem älteren der Brüder Sarasin." Das ist nur halbrichtig, denn der ältere Bruder war Lukas, 1730-1802. Jakob lebte 1742-1802, ihm gehörte das Weisse Haus. Diese Aussage stützt sich hauptsächlich auf die Sarasin-Familiengeschichte von Hans Joneli, der nach meinem Eindruck  sorgfältig recherchiert hat:  Hans Joneli  "Gedeon Sarasin und seine Nachkommen", Frobenius A.G., Basel 1928.




Literatur:

Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996, Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN 3-905065-22-3, Seiten 74 bis 75

Das Bürgerhaus in der Schweiz, Band XXIII - Kanton Basel-Stadt, 3.Teil und Kanton Basel-Land, 1931, Orell Füssli Verlag, Seiten 24 bis 26 sowie Tafeln 4 bis 13

E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seite 61

Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, ISBN 3-85722-010-5, Seiten 136 und 139

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